Julia Oschewsky beherrscht eine enorme Bandbreite stimmlicher Ausdrucks-möglichkeiten, ohne sich in akrobatischen Spielereien zu verlieren. Zarte Töne sind genauso ihr "Ding" wie die sprichwörtliche "Röhre". Beeindruckend waren ihre Experimente mit eigenen Loops oder als sie ihr Organ als Resonanzkörper für die begleitende Gitarre nutzte. Ihr Songmaterial verarbeitet eigene Erfahrungswelten; in Einzelfällen nutzt sie die Werke anderer Songwriter, die hundertprozentig in diesen Kontext passen.
Ihre Band besteht ausnahmslos aus Hochkarätern, die ihre sprichwörtliche "Erdung" nie verloren haben. Cesar Latorre an den Tasten, ein nur auf den ersten Blick total in sich gekehrter Musiker, der seine Soli mitsingt und mit blitzartigen, eindringlichen Blicken seinen Mitstreitern Orientierung gibt. Jakob Rheinländer am Kontrabass, der mit den Fingern seiner rechten Hand eine Mischung aus Zupfen und Streiche(l)n praktiziert. Ein Bassist, der sich auch bei seinen gelegentlichen, gefühlvollen Solo-Einlagen nie in den Vordergrund drängt.
Das Plektrum zwischen den Zähnen ist sein Markenzeichen - Thomas Bekhuis an den Gitarren formt seinen Sound musikalisch hochkonzentriert und präzise. Als Begleiter lässt er keinen Moment den Blick von "seiner" Sängerin, als Solist taucht er in seine eigenen Sphären ab. Fast bescheiden Im Hintergrund der Mann am Schlagzeug. Artis Orubs, der das rhythmische Fundament setzte - immer behutsam, nie erdrückend. Nur sehr aufmerksame Beobachter konnten ihn zwischenzeitlich mit vier(!) Sticks gleichzeitig spielen sehen.
Jazzliebhaber im Publikum konnten sich ein Füllhorn an Anregungen bei diesem Konzert abholen. Allein die technische Umsetzung und der wortlose Gedanken-austausch der Musiker auf der Bühne untereinander schienen mitunter unerreichbar. Nach etwa zweieinhalb Stunden waren sich alle Besucher einig: "Das war großartig - jazz it again, Julia!"

(Angaben ohne Gewähr)