Der mit 3.000 Euro dotierte Preis ist an die Biogasanlagenbetreiber im Nordostniedersachsen gegangen, weil sie sich 2011 beim Anlegen von Blühstreifen an Energiepflanzenfeldern besonders engagiert hatten und ihre Region damit deutschlandweit die größte Fläche mit Blühstreifen aufwies. Der Regionalgruppensprecher Nordostniedersachsen des Fachverbands und Vorsitzende von Region Aktiv, Manfred Ebeling aus Püggen, konnte gemeinsam mit der Vorsitzenden des Landschaftspflegeverbandes Wendland-Elbetal, Heinke Kelm aus Grippel, stellvertretend für die Regionalgruppe den Preis entgegennehmen. In der von Referatsleiter Bastian Olzem vorgetragenen Laudatio wurde auch das Engagement von Seiten des Regionalmanagements der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal, ansässig bei der Wirtschaftsförderung in Lüchow, hervorgehoben.
Gemeinsam mit der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal veranstaltet die Regionalgruppe regelmäßig einen Biogas-Stammtisch, bei dem sich Landwirte und Anlagenbetreiber über die neuesten Entwicklungen ihrer Branche austauschen und informieren. Im Frühling 2011 hatten die Veranstalter das Thema Blühstreifen aufgegriffen und über deren Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt informiert. So hatte Heinke Kelm von Landschaftspflegeverband über die aus Naturschutzsicht optimale Anlage von Blühstreifen informiert, damit nicht nur Farbe in die Landschaft kommt, sondern auch die Pflanzen- und Tierwelt der Ackerflur optimal gefördert wird. Den Landwirten erfuhren, dass die Aussaat der Mischungen in der ersten Aprilhälfte abgeschlossen werden sollte, damit erste Bruten von den am Boden brütenden Ackervögeln, z. B. der Feld- und der Heidelerche nicht zerstört werden, und damit Ackerwildkräuter auflaufen können, die eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche
Tiere darstellen. Ein Verzicht auf Düngung und die Vorbehandlung der Flächen mit Pflanzenschutzmitteln bedeutet ebenfalls vielfaches Leben in der Agrarlandschaft. Bleiben Blühstreifen darüber hinaus im Winter bestehen, so bieten sie dem Wild eine gute Deckung und den gefiederten Wintergästen hervorragende Nahrungsquellen.
Das Interesse war groß und ebenso die Bereitschaft der Landwirte, sich zu engagieren. So entstand die Idee, praktische Hilfestellung beim naturschutzgerechten Anlegen von Blühstreifen zu geben. Im Anschluss an die beschriebene erste Veranstaltung hat die Bioenergieregion daraufhin von aktiven Naturschützern abstimmte Handlungsempfehlungen zur Anlage von Blühstreifen erarbeiten lassen und diese den Landwirten und Anlagenbetreibern zur Verfügung gestellt. Schließlich haben die örtlichen Biogasanlagenbetreiber eine speziell von Vogelkundlern auf die Region abgestimmte Blühstreifenmischung beauftragt, die zeitnah von der Raiffeisengenossenschaft in Dannenberg bereit gestellt werden konnte, so dass ca. 30 Hektar mit dieser Mischung - zumeist ohne Inanspruchnahme von öffentlichen Geldern - bestellt wurden. Die Regionalmischung ist gezielt auf die Belange von Ortolan und Feldlerche ausgerichtet worden, für die der Nordosten Niedersachsens eine besondere Verantwortung hat. Die Aktion hat dazu geführt, dass in 2011 auf 1800 ha Ackerland in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg Blühstreifen standen.
Die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal hat im Herbst 2011 einen umfangreichen Auftrag an den Landschaftspflegeverband in Kooperation mit anderen Naturschutz-Organisationen vergeben, um weitere gemeinsame Projekte und Veranstaltungen in der Region auf den Weg zu bringen. Unter anderem werden von Februar bis Juli Fachvorträge und Exkursionen, auch in andere Regionen, stattfinden. Mehr Infos dazu demnächst unter: www.bioenergie-wendland-elbetal.de
Ebeling und Kelm hoffen, dass das Projekt „Farbe ins Feld“ nicht das letzte Projekt zur Erhöhung der Struktur- und damit Artenvielfalt in der Ackerlandschaft sein wird. Gemeinsam mit Landwirten und mit fachlicher Unterstützung aus Naturschutzkreisen könnten sicherlich weitere Ideen voran gebracht werden. „Schließlich wissen die Landwirte am ehesten, was mit den landwirtschaftlichen Abläufen vereinbar ist“ meint Kelm, und sie ist sich mit Ebeling einig: „Es ist immer besser, selbst initiativ zu werden, als Forderungen auferlegt zu bekommen“.
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Blühstreifen: Blühstreifen können die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft heraufsetzen und können eine wichtige Pufferfunktion zu naturnahen Randstrukturen wie Gräben, Gehölzen und Wegen übernehmen. (Foto: H.-J. Kelm)

(Angaben ohne Gewähr)