„Es ist ein äußerst bemerkenswerter Vorgang, wenn das ZDF ein in
Bundestagswahlkämpfen zentrales Format wie die ,Berliner Runde‘ absagt.
Für diese Entscheidung des ZDF und seines Chefredakteurs Nikolaus
Brender haben wir Verständnis und auch Respekt, weil sie damit deutlich
machen, dass sich das ZDF als freies Medium von der regierenden Großen
Koalition nicht alles gefallen lässt und klar sagt: So nicht!
Dass Kanzlerin und Vizekanzler sich vor einem Schlagabtausch mit der
Opposition drücken, zeugt von einer bodenlosen Arroganz der Macht. Vor
die Kameras treten sie nur, wenn sie sich wie letzten Sonntag ausgiebig
gegenseitig beweihräuchern können. Offensichtlich trauen sie sich nicht
zu, die verheerende Bilanz von vier Jahren Großer Koalition gegenüber
Guido Westerwelle, Gregor Gysi und Jürgen Trittin verteidigen zu können.
Das wirft auch ein schräges Licht auf das Demokratieverständnis von
Merkel und Steinmeier: Diskussionen nur innerhalb der Regierung, aber
bitte nicht mit der Opposition. So ein Verhalten ist eigentlich typisch
für autokratische Regime.
Damit setzen sie das klare Signal, dass sowohl die SPD als auch die
Union es kaum erwarten können, die Große Koalition nach der Wahl wieder
aufleben zu lassen. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Am 27. September
Grün wählen.
Das ZDF und die anderen am TV-Duell beteiligten Sender sollten jetzt
noch einmal in sich gehen und darüber nachdenken, ob die groß angelegte
Organisation des Selbstgesprächs der Regierung am Sonntag wirklich eine
gute Idee war. Zumindest hätten sie Merkel und Steinmeier darauf
verpflichten müssen, sich dafür auch der Diskussion mit der Opposition
zu stellen.“

(Angaben ohne Gewähr)