Sie erklärten, die Verletzungsgefahr sei durch das unsachgemässe Vorgehen der Polizeizu groß geworden.
Deren Einsatztrupp hatte trotz wiederholter Warnungen
die Schottersteine unter der Pyramide zu entfernen versucht. Dabei
brachten sie das Innere der ausgeklügelten Konstruktion in eine
Schieflage, die sich stetig verschlimmerte. Die Techniker der Polizei
waren nicht mehr in der Lage, die Konstruktion, in der die Arme
der Angeschlossenen steckten, zu sichern. Daher lösten die Aktivisten
sich schließlich selbst aus dem Mechanismus.
"Die Gesundheit der angeketteten Bauern und Bäuerin hatte bei dieser
Aktion oberste Priorität," sagte die Bäuerliche Notgemeinschaft
anschließend. "Und für den Widerstand gegen den Atommülltransport war
sie zu diesem Zeitpunkt bereits ein großer Erfolg." Indem sie sich auf
diese Weise mit ihren Körpern gegen den Castorzug stellten, hätten
die Protestierenden sehr gut deutlich machen können, was die
Atommüllabfuhr nach Gorleben für die dortige Bevölkerung bedeutet.
"Protest ohne Gewalt, aber mit viel Phantasie und Sachverstand!"
konstatiert die Bäuerliche Notgemeinschaft und bedankt sich
ausdrücklich bei den vier für ihren Mut. "Leider müssen wir angesichts
der skandalösen und rücksichtslosen Atommülltransporte zu solchen
drastischen Mitteln greifen, um uns Gehör zu verschaffen."
Während ihrer Blockade hatten die Bäuerin und die Bauern zwei
Forderungen an das Bundesumweltministerium gestellt:
1. Sofortiger Baustopp im Gorlebener Salzstock,
2. Sofortiger Stopp aller Castortransporte nach Gorleben, bis der
Umgang mit dem deutschen Atommüll in einem geregelten Verfahren geklärt
ist.
Den nach wie vor andauernden Bau eines Atommüllendlagers im Gorlebener
Salzstock betrachten die Bäuerinnen und Bauern aus dem Wendland als
Widerspruch zur Erklärung von Bundesumweltminister Röttgen, bei der
Suche nach einem nuklearen Endlager werde man mit einer weißen
Landkarte starten. "Röttgen und die Kretschmann-Kommission starten mit
Gorleben," stellt Carsten Niemann, Sprecher der Notgemeinschaft, fest.
"Damit hat diese Landkarte schon einen dicken dunklen Punkt, der
täglich grösser wird: Das Zwischenlager mit mittlerweile 111 Castoren,
eine Verpackungsanlage und ein Endlagerprojekt im Salzstock, das sich
stetig dem Rohbaustadium nähert!" Er befürchtet angesichts
der milliardenteuren Investitionen in den Atomstandort Gorleben, dass
die angekündigte vergleichende Endlagersuche letztlich einem Ziel
dient: Den ungeeigneten Salzstock, der schon seit vielen Jahren ein
Sicherheitskriterium nach dem anderen verfehlt, doch noch für
endlagergeeignet zu erklären. Zu allem Überfluss seien altbekannte
Gorleben-Propagandisten wie Bruno Thomauske mit einer
"Sicherheitsanalyse" beauftragt worden. "Diese Leute erarbeiten eine
Blaupause für Endlagerkriterien, die Gorleben auf jeden Fall erfüllen
kann."
Für die Bäuerliche Notgemeinschaft ist der Baustopp in Gorleben die
unabdingbare Vorausetzung dafür, dass es überhaupt eine verantwortbare
Lösung des Endlagerproblems geben kann. "Ohne unsere Proteste, ohne den
Druck aus der Bevölkerung wird jedes Endlagersuchverfahren wieder in
die alte Gorleben-Sackgasse getrieben."

(Angaben ohne Gewähr)